Mittwoch, 15. Dezember 2010

Und schon wieder Urlaub...

"Unsere ersten Versuche als Backpacker" war unser letzter Eintrag für dieses Jahr, da Jana für zwei Wochen nach Deutschland fliegt während Anh und ich 3,5 Wochen durch den Süden Reisen werden (HCMC, Da Lat, Nha Trang, Phu Quoc ...).
Nächstes Jahr gibt es neue Einträge und wir werden die Projektseiten aktualisieren, sowie eine Seite zu der bisherigen Verwendung der Spendengelder veröffentlichen.

Bis dahin schöne Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Sonstiges

Freitag, 10. Dezember 2010

Unsere ersten Versuche als Backpacker: Der Weg ist das Ziel

Anh sollte für zwei Wochen in einem College in Hanoi arbeiten und so überlegten wir beide uns, dass wir gerne etwas Urlaub machen wollen. Die, die jetzt entsetzt aufschreien: „Es ist doch viel zu früh für Urlaub...“, denen sei direkt gesagt: am Ende mussten wir uns nur stolze drei Tage freinehmen.
Wir hatten große Pläne: der komplette Norden, zwei Wochen, begrenztes Budget von 100 Euro, vielleicht sogar Laos, unabhängiger, spontaner Urlaub eben. Wir beide hatten keinerlei Erfahrung als Backpacker, aber wir malten es uns fantasiereich aus, wie ein Backpacker zu sein hat (ich hab sogar vorher noch ein Bild von mir in der Wildnis mit Rucksack gemalt). Mit einem riesigen und viel zu schweren Trekkingsrucksack auf dem Rücken brachen wir also Dienstagmorgen unter lautem Gelächter unserer Vermieter in die Wildnis auf.
Nach einem schönen Tag in Hanoi ging es über Nacht mit dem Nachtzug nach Lao Cai. Als wir am Bahnhof ankamen riss uns direkt ein junger Mann die Karte aus der Hand. Uns war natürlich bewusst, dass er das nicht aus Nächstenliebe tat, aber was sollten wir tun, wenn er nun mal in die gleiche Richtung lief wie wir als praktisch hinterher zulaufen?! Er verlangte für diese Dienste am Ende 5 Dollar und wir haben ihn solange ignoriert bis er verschwand.
Unser Zugabteil war das letzte und der lange Weg erweckte in uns so eine Art Titanicgefühl, denn uns war bewusst, dass unser Abteil als erstes abgehangen werden würde. All’ die Wessis, ja auch all’ die „armen“ Backpacker, hatten für die acht Stunden Fahrt ein Bett im Zug reserviert. Meistens sogar die warmen, weichen Betten mit kleinem Essenskorb und Blumengesteck im Abteil. Aber unsere Vorstellung vom Backpacker sein war ein Sitzplatz, immerhin ein weicher. Das Ergebnis war eine Zugfahrt inmitten von Vietnamesen und einem anderen Rucksacktouristen. Ganz klischeehaft: junger Mann mit langen Hippiehaaren, allein unterwegs.
Um 5 Uhr früh kamen wir dann im Dunkeln und in der Kälte in Lao Cai an und versuchten erstmal, dem Geschrei der Busanbieter zu entgehen und gingen eine schöne pho bo essen. Gestärkt fanden wir einen günstigen Bus und zahlten statt 15 Dollar wie die netten, aber naiven deutschen Frauen am Bahnhof nur 2 Dollar für die 1,5 stündige Weiterfahrt nach Sapa.
Sapa selbst ist eine mittlerweile sehr touristische Stadt in den Bergen in der ethnische Minderheiten, die damals dorthin geflüchtet waren, mittlerweile ihre Seele an die Touristen verkaufen. Wir checkten in einem Hotel ein, dass bei Minusgraden in der Nacht keine Heizung hatte, und leider auch meistens kein heißes Wasser. Ja und obwohl wir ach so stolz auf unser Backpackerleben waren entdeckten wir ein kleines französisches Café, bei dem wir nicht widerstehen konnten und in unseren 1,5 Tagen Aufenthalt ungefähr 8 Stunden verbrachten. Der Sofaplatz neben dem Kamin mit Küchlein und richtigem Kaffee war dann doch meistens etwas ansprechender als die eisige Kälte draußen. Trotz alledem haben wir es in den Bergpark geschafft und auch ich habe Berge erklommen (na gut, nach fünf Minuten habe ich bereits angefangen zu fluchen und Melina angeschrien, dass ich sie hasse...). Hier durften wir uns tolle asynchrone Tänze und Playbackgesang im Stil der ethnischen Minderheiten anhören. Am nächsten Nachmittag wollten wir zu einem berühmten Dorf in der Nähe wandern. Wir haben allerdings den richtigen Weg verpasst und sind so über Bäche und matschige Abhänge geklettert und vor Wasserbüffeln weggerannt. Bei einer Rast habe ich mich dann erwischt, wie ich mich schon völlig selbstverständlich in die Vietnamesenhocke begeben habe. Aber wir zählen ja mittlerweile auch so mit den Finger wie die Vietnamesen...
Dort angekommen sollten wir Eintritt für das Dorf bezahlen, etwas, dass wir aus Prinzip nicht tun wollten. So sind wir weiter gewandert zu der nächsten ethnischen Minderheit, bei denen die kleinen Jungs keine Hosen tragen. Wir hätten sogar ein Bild davon kaufen können. Sapa selbst war uns zu touristisch, aber die Natur und frische Luft hat uns sehr zugesagt. Und natürlich das Café und der Kuchen, und die Baguettes und und und...
Freitagmorgen fuhren wir dann mit einem frühen Bus nach Dien Bien Phu an der laotischen Grenze. Der Bus war alt, eng, stinkend und fuhr mit teilweise nur 10 km/h über kaputte Bergstraßen. An Bord waren nervige verrückte Menschen, ein Baby, kotzende Frauen, quiekende Küken (Mama und Papa saßen wie man sich das so vorstellt auf dem Bus) und gruselige Pakete. Aber bei den tollen vietnamesischen Filme, die durchgehend liefen, wuchs die Gemeinschaft direkt zusammen. Ganz nett war auch noch, dass wir bei der acht Stunden Fahrt ein einziges Mal angehalten haben. Bei dieser Rast durften sich alle Frauen auf die Felsen am Straßenrand nebeneinander hocken, denn Toiletten gibt es natürlich nicht. So schrecklich es klingt, es war ein Erlebnis wert und die Aussicht unterwegs hat alles wieder wettgemacht. Diese Fahrt gilt nicht umsonst als die schönste Vietnams.
Im Dunkeln kamen wir also Freitagabend in Dien Bien Phu, eine historische Stadt, an. Aber erstens war uns die Stadt irgendwie unheimlich und Frau Binh hatte uns mittlerweile mitgeteilt hat, dass wir anders als erwartete bereits Sonntagabend zurück sein müssten. Und so setzten wir uns nach der einen Busfahrt direkt wieder mit drei Packungen Keksen bewaffnet in einen Nachtbus mit Minibetten nach Hanoi, um uns in unserer Lieblingsstadt auf die Suche nach den anderen Filialen des französoschen Cafés aus Sapa zu machen.
Nach etwas schöner und leckerer Zeit in Hanoi erreichten wir dann nach weniger als einer Woche und über tausend Kilometern am Sonntagabend wieder unser Zuhause, Bac Giang.

Spezialisten

Wenn du ein Problem hast, dann ist Vietnam das beste Land. Wirklich. Nur hier gibt es für einfach jedes Fachgebiet eine Menge an Spezialisten. Bei Handyproblemen gehst du einfach zu deinem Nachbarn, ach was rede ich da, dein Nachbar kann sowieso alles und verkaufen tut er eigentlich auch alles in seinem Wohnzimmer. Die Spezialisten, wie sie hier vor ihrem Erscheinen immer angepriesen werden, können einfach mehr, als die deutschen oder besser gesagt polnischen Handwerker. Die können die Mauern am Wasserbecken so anbauen, dass der Wasserhahn so darauf herab läuft, dass die Küche überschwemmt wird. Und sie können das Internet in deinem Zimmer so anbringen, dass du jedes Mal über die vielen Kabel stolperst. Besonders begeistert hat uns die Leistung eine Steckdose von funktionierend zu nicht mehr funktionierend zu machen, indem sie abgenommen und wieder an der Wand befestigt wurde. Da waren wahrscheinlich sogar Zauberkräfte am Werk.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Stand der Dinge Teil 1

Uns gefällt es hier.

Wir sind jetzt seit etwas über einem Monat hier und haben uns so langsam daran gewöhnt, regelmäßig von neuen Eindrücken nur so erschlagen zu werden. Deswegen ist es nun an der Zeit, mal etwas zu Bac Giang, unserer Arbeit und unserem Leben in Vietnam zu schreiben.

Bac Giang ist Provinzhauptstadt der Proving - haha - Bac Giang. Wir leben also in Bac Giang City. Die meisten Häuser sind gefühlte zwei Meter breit und 20 Meter hoch, mit einer sehr bunten Vorderseite während der Rest eher schlicht ist. Oder auch: So wie ein Haus halt aussieht bevor man es anstreicht. Im Zentrum gibt es, wie wir irgendwann zu unserer Überraschung festgestellt haben, richtige Bürgersteige, befestigt und breit genug um darauf zu laufen ohne ständig Garküchen, parkenden Rollern und kleinen Läden auszuweichen, die sich praktisch in jedem Erdgeschoss befinden. Das Haus in dem wir wohnen ist hellblau, hat drei Stockwerke und ist von eingeschossigen Gebäuden umgeben, in denen unsere Vermieter und Familie leben (Mann und Frau, deren Sohn mit Frau und noch circa 4 Kinder, keine Ahnung ob Enkel oder Kinder). Wir wohnen im ersten und zweiten Stock, haben zwei Zimmer mit und eins ohne Balkon, ein Badezimmer in dem man alles gleichzeitig machen kann weil man eh nur Platz hat um auf einem Fleck zu stehen und eine Küche die gerade groß genug für uns drei ist. Das ist etwas kompliziert wenn wir Besuch zum Essen haben aber wir können uns echt nicht beschweren. Unsere Vermieter haben gar keine extra Küche aber immerhin ein Dach unter dem sie kochen und essen. Wie praktisch, dass es in Vietnam, wie Long gerade meinte, niemals unter 7°C wird.
Wir gehen jeden Morgen auf dem Markt um frisch einzukaufen, kochen mit zwei Gasplatten weshalb bei uns – wie immer in Vietnam – das Essen immer kalt ist wenn man mit allem fertig ist. Man braucht nämlich eigentlich sechs Herdplatten. Wir probieren zwar fleißig deutsches Essen für das man mit zwei Herdplatten auskommt aus aber das geht regelmäßig schief. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie seltsam Nudeln mit Tomatensoße schmecken können. So langsam sind Bananen und Reis zu unseren Grundnahrungsmitteln geworden. Reis weil eh alles aus Reis ist und man gar nicht drum herum kommt und Bananen weil das das billigste und dazu praktischste Obst ist. Wir haben es mittlerweile sogar geschafft eine Art Frühstück zu finden. Während wir am Anfang noch an der Frage was man in Vietnam bloß morgens essen sollen verzweifelt sind, gibt es nun regelmäßig gebackene Bohnen-Bällchen, Joghurt mit (mal wieder haha) Banane, Brot (es sieht echt aus wie Brötchen. Und es ist so wenig sattmachend dass man Unmengen davon essen kann. Schön wenn man gerne isst.), ab und zu Eier und Aufstrich je nachdem was da ist. Zuletzt haben wir einige Packungen Erdbeer-Marmelade aus dem Hotel in Cát Bà mitgehen lassen. Oh, beinahe hätte ich die Kondensmilch vergessen. Die schmeckt praktisch wie Honig weshalb man immer welche da haben sollte um ein wenig „Brot“ da rein zu tunken.

Mittlerweile haben wir uns auch an die Radio-Lautsprecher, krähenden Hähne, Handwerker, schreiende Vermieterin bellende Hunde und was einen sonst noch so vom Schlaf abhalten könnte gewöhnt. Während Jana jeden Morgen um fünf aufsteht um alle Fenster zuzumachen blenden Anh und ich alles aus. Aber selbst auf einer der Inseln in der Ha Long Bucht, auf der es nur eine Tropfsteinhöhle und Natur gab, waren Lautsprecher installiert. Und dazu kommen noch Fahrräder mit Lautsprechern. Und Roller mit Lautsprechern. Und Autos mit Lautsprechern. Vietnam ist einfach ein dermaßen lautes Land, dass man andere Menschen praktisch anschreien muss, damit sie sich angesprochen fühlen.


Eigentlich wollte ich den Eintrag einfach weiterschreiben aber ein Ereignis muss ich unbedingt mal eben erwähnen: Heute Nachmittag auf dem Weg zur Arbeit sind wir an einem Tor vorbeigekommen, hinter dem wir ein paar Männer mit einer ziemlich großen und so wie sie den Kopf gehalten haben ziemlich giftigen Schlange sehen konnten. Und weil das Vietnamesen waren und wir ach so tolle tays, standen wir zwei Sekunden später mit der Schlange um den Hals auf der anderen Seite des Tors und haben irgendein selbstgemachtes alkoholisches Getränk zu uns genommen, das sonst keiner getrunken hat. Das sollte uns eigentlich zu denken geben aber hey! wir sind in Vietnam.


Wo war ich stehen geblieben? Ach eigentlich wollte ich mich noch zu unseren Vermietern äußern. Alle sind total nett, nur die Frau ist ein wenig komplizierter. Selbst Long, der sich normal mit ihr unterhalten kann, meinte, wir sollten unser Geschenk aus der Ha Long Bucht lieber dem Mann geben, denn schließlich sei die Frau „very hard to please“. Unpraktisch nur, dass ausgerechnet sie für uns zuständig ist. Irgendwie haben wir halt die Vermieterin abbekommen, der es egal ist, dass wir bei unter 25°C (kein Kommentar. Es ist echt kalt.) keine Bettdecke haben und nicht die, die bei ein bisschen Husten Reissuppe kocht. Longs Bemerkung hat leider meine Hoffnung, dass es besser wird sobald wir ein wenig mehr Vietnamesisch sprechen zunichte gemacht. Aber der Rest der Familie macht das locker wieder wett.

Vịnh Hạ Long/Cát Bà

Von Oktober 2010
Wir hatten unser erstes Seminar. Von Hanoi aus ging es los, mit eigenem Bus, eigenem tour guide, bis zur Halong Bucht, wo wir dann mit eigenem Boot ohne andere Touristen eine leere Tropfsteinhöhle besichtigt haben, dann auf dem Boot zu Mittag gegessen haben und anschließend ein, zwei Stunden auf Deck in Liegestühlen in der Sonne lagen und uns über unseren entwicklungspolitischen Freiwilligendienst gefreut haben.
Weiter ging es nach Cát Bà zum Hotel mit Vollpension und Strand vor der Tür, zum Schwimmen, durch den Nationalpark wandern und Fischerboot fahren. Bei letzterem haben wir an einem der Hausboote gehalten um uns anzusehen, wie die Leute dort leben. Die Familie saß vorm Fernseher während wir durch die Gegend spaziert sind und uns noch ein wenig auf die Terrasse gesetzt haben bevor es dann weiterging. Typisch Vietnam.
Nach allgemein sehr viel Freizeit wurden wir dann nach der Anmerkung „We would like to…“ von der abschließenden Diskussion freigestellt und mussten nur noch erscheinen, um pünktlich die Fähre zu unserem eigenen Bus zu nehmen.
Um das Ganze abzurunden gab es Sonntagabend thit chó zu essen. Wer mutig ist, kann das mal bei google bilder suchen.
Wir haben selbstverständlich sehr viel vietnamesische Kultur kennengelernt (es handelt sich bei der Ha Long Bucht ja nicht umsonst um ein Weltkulturerbe) und… äh… es gab… Fisch. Viel Fisch. Im Gegensatz zu Bac Giang. Es war also ein äußerst lehrreiches Wochenende.
Aber mal im Ernst: Es war ein tolles Wochenende bei dem wir mal eine andere Ecke Vietnams kennengelernt haben. Wie in Bac Giang Fleisch gab es auf Cát Bà Fisch zu kaufen, Fisch zu essen, Fisch zu fangen. Und die Landschaft war wirklich wunderschön. Wir sind dankbar, dass uns dieser Ausflug durch unser FSJ ermöglicht wurde.
Von Oktober 2010

Sonntag, 17. Oktober 2010

„We’re not german, not yet vietnamese“ oder auch: Wie wir das 1000jährige verpassten

Ein kleines Vorwort:

Melina sagte einst: „Wenn ich auf der Babystation bin frage ich mich immer: Wo sind all die vietnamesischen Babys hin?“ Vietnamesen umgeben uns so sehr, dass es uns kaum noch auffällt. So passiert es uns manchmal, dass wir glauben, es gebe keinen Unterschied zwischen ihnen und uns. Was sind schon ein wenig Haar- und Hautfarbe. Es gibt ja auch dicke und dünne und helle und dunkle Vietnamesen und wir fühlen uns wie ein Teil dieser Bevölkerung. Wie erkennen die uns im Dunkeln und wie im Regen mit Kapuze wenn wir zum Erkennen der Wahrheit einen Spiegel oder Fotos benötigen? Es müssen unsere lange Nasen sein, die das Licht anders reflektieren und aus der Kapuze hervorschauen. Aber das ist auch der einzige Unterschied, nicht wahr?



Letztes Wochenende (8.10.-10.10) verschlug es uns sechs mal wieder nach Ha Noi. Wir hatten einen Grund, warum wir uns wieder in ein viel zu enges Auto quetschten und zu sechst ein zu kleines Zimmer teilen wollten (ein Doppelbettzimmer, dass netterweise später noch eine Matraze bekam. In der zweiten Nacht waren wir sogar sieben im Zimmer. Die Mitarbeiter waren untröstlich, dass wir ihr Vertrauen missbraucht hatten, da sie doch dachten wir wären nur drei. Aber keine Sorge, wir konnten sie trösten...): das 1000-jährige Jubiläum von Ha Noi. Beim Frühstück erwähnte Frau Binh noch in aller Ruhe wir sollten bitte vorsichtig sein, letztes Wochenende habe es ja eine Explosion gegeben. Aber wie gesagt: Wir hatten ein Ziel, uns konnte nichts stoppen. Der erste Abend verging: wir sahen viele bunte Lichter und hörten schrecklichen Gesang. Unser Abend endete mit einer Menge bia hoi, Pommes die nach unserer Margarine schmeckten (die übrigens Schuld daran ist, dass alles gleich schmeckt) und einer fliegenden Riesenkakerlake (ohja, hier können Kakerlaken fliegen.). Oskar hat mehrmals mit Anhs übersauberen Chucks auf sie eingeschlagen, während wir Mädchen kreischend unter der Decke lagen. Das einzig Positive an einem gemeinsamen Schlafraum.

Zwischen dem Versuch etwas vom 1000-jährigen mitzukriegen liefen wir auch am nächsten Tag durch die Stadt, machten mit einem Besuch im Literaturtempel zum ersten mal Sightseeing, tranken weiter bia hoi, versuchten Hamburger zu essen, entdeckten frozen Yoghurt für uns, stillten Melinas Kaffesucht für eine weitere Woche und wurden an die gefühlte 1000 mal fotografiert. Einige fragten noch nett, vorzugsweise Anh auf vietnamesisch, andere legten ihren Arm um uns und schrien wir wären Victoria secrets Models und sie hätten uns im Fernsehen gesehen und die nächsten liefen 30 min neben uns her und hörten nicht auf Fotos zu machen. Wir verstanden die Welt nicht mehr, denn schließlich machen Deutsche auch keine Fotos von Deutschen. Aber selbst wenn wir Tays (Ausländer) sind, kein Deutscher macht ein Bild von einem Vietnamesen in Deutschland. Aber um ehrlich zu sein, wir haben die anderen Tays so angestarrt wie wir angestarrt wurden (inkl. Fingerzeigen), denn wie gesagt: Wir fühlen uns wie Vietnamesen. Und beim lauter Anstarren wurde uns direkt bewusst warum alle denken die aus dem Westen sind fett und haarig. Sie sind es wirklich. Traurige und beschämende Erkenntnis von uns deutschen Vietnamesen. Es gab die mit dem Touri-Outfit und dem Bierbauch und den Tennissocken und dann eben noch die Althippies, die die Indienreise in den 70ern verpasst haben. Was wir an diesem Tag vom 1000-jähirgen gesehen haben: bunte Lichter und grausamen deutschen Gesang beim vorübergehen. Melina, Anh und ich fanden das nicht weiter schlimm, denn schließlich sollte uns Anhs Onkel etwas vom 1000-jährigen am Sonntag zeigen. Er erklärte uns dann erstmal, dass alles viel zu voll und gefährlich sei und begleitete uns in eine Bar nach der anderen, bis die Jugend von der Müdigkeit ergriffen wurde und wir am Sonntagabend einschliefen und das 1000jähirge verpasst hatten.



P.S. Manche Freiwillige haben einen Koch. Die DED-Leute haben eine Putzfrau und zwei Gästezimmer. Vielleicht ja ohne Riesenkakerlake.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Alltag

Von Oktober 2010
Man gewöhnt sich unglaublich schnell an das Leben hier. Die Bananen die entlang unseres Nach-Hause-Weges wachsen sind halt einfach da. Und was ist schon ein Mann der mit seiner zweijährigen Tochter auf dem Arm dabei zusieht wie ein Gans langsam ausblutet so besonders?
Trotzdem ist es hier nnicht langweilig. Pho bo, kem com und bia hoi gehen schließlich immer.
Von Oktober 2010
Außerdem haben wir am Wochenende einen Ausflug gemacht. Mit den Fahrrädern ging es in Stadtteile Bac Giangs, in denen wahrsceinlich noch nie zuvor tay waren.
Von Oktober 2010
Von Oktober 2010
Von Oktober 2010
Von Oktober 2010